8. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher
Schon ist es Frühling in Wisconsin und ich habe in der letzten Zeit wieder so einiges erlebt.
Meine High School bietet verschiedene Frühlingssportarten an, darunter Leichtathletik, Fußball und Softball. Auch wenn es bei mir schon einige Jahre her sind, dass ich das letzte Mal Fußball gespielt habe, habe ich mich dazu entschieden, hier wieder damit anzufangen. Glücklicherweise gab es sehr viele “open gyms”. Das heißt, bevor die eigentliche Saison startet, haben alle Spieler die Möglichkeit einfach ein bisschen in der Turnhalle Fußball zu spielen, um sich bereit für den Saisonstart zu machen. Natürlich gibt es auch hier, wie bei jedem anderen Sport, “try-outs”. Die für Fußball haben gerade begonnen und meistens haben diese mit einigen Spielzügen und ganz viel Laufen zu tun. Ich bin schon sehr gespannt darauf mit wem ich in einem Team sein werde und freue mich darauf Fußball zu spielen. Mit den Trainern habe ich mich schon über so einige Bundesligisten unterhalten und natürlich auch über die Deutsche Nationalmannschaft und die Weltmeisterschaft.
Neben Fußball und Basketball ist an meiner Schule aber auch noch viel Anderes passiert, so gab es an meiner Schule zum Beispiel den ACT. Dieser mehrstündige Test in den Bereichen Englisch, Mathe, Lesen, Naturwissenschaften und Schreiben dient zur Überprüfung, wie gut jeder einzelne Schüler an einem College zurecht kommen würde. Eine bestimmte Punktzahl wird von vielen Colleges als Voraussetzung für einen Studienplatz gefordert und aus diesem Grund haben sich alle sehr bemüht möglichst erfolgreich abzuschließen. Für mich war es zum Glück nicht ganz so stressig, sondern stattdessen fand ich es eigentlich ziemlich spannend welche Fragen uns gestellt wurden und wie unterschiedlich diese zu meinen normalen Klassenarbeiten und Tests in Deutschland sind.

Dinner in Amerika
Ziemlich überrascht war ich, als wir an einem Freitag in meiner Schule einen “Code Red”-Drill geübt haben. Natürlich hatte ich in Deutschland an meiner Schule schon so einige Probe-Feueralarme, aber mir war nicht bewusst, daß an US-Amerikanischen High Schools auch geübt wird, wie es sich zu verhalten ist, wenn jemand Bewaffnetes in das Schulgebäude gelangt ist. Viele meiner Mitschüler haben das hier schon oft geprobt und deshalb schien es für sie auch nicht besonders außergewöhnlich zu sein.
An meiner High School findet Ende April “Prom” statt. Das ist nichts anderes als ein großer Ball für die Elft- und Zwölftklässler, also auch für mich, und viele geben hierfür oft sehr viel Geld aus. Einige Kleider kosten bis zu $400 und das scheint auch relativ normal zu sein. Mir scheint es nicht sehr viel Sinn zu machen ein so teures Kleid zu kaufen und es dann am Ende meines Austauschjahres vermutlicherweise aus Platzgründen nicht einmal mitnehmen zu können. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich mir ein Kleid von Claire, einer Zwölftklässlerin, ausleihen konnte. Somit muss ich mir nicht bis Ende April darum Gedanken machen ein Kleid zu finden und ich kann es kaum abwarten im April “mein” Kleid anzuziehen.
Da mich die Austauschorganisation YFU stellvertretend für den Bundestag und den Congress hier in den USA betreut, habe ich an einem Samstag viele andere YFU-Austauschschüler getroffen. Hierbei handelte es sich nicht nur um das Halbjahrestreffen, sondern auch um das “Dinner-Meeting”. Für dieses haben wir alle ein typisches Gericht aus unserem Heimatland zubereitet. Von japanischem Reis, italienischer Lasagne, bis hin zu deutschem Kartoffelsalat war alles mit dabei. Ich habe Käsespätzle gemacht und weil ich normales Graubrot doch ein bisschen vermisse, habe ich auch das für unser gemeinsames Abendessen gebacken. Es scheint allen sehr gut geschmeckt zu haben, denn am Ende war fast gar nichts mehr übrig.
Nun da die Football-Saison mit dem Super-Bowl zu Ende gegangen ist, fängt Basketball erst richtig an. Im Moment wird hier im Fernsehen oft “March Madness” übertragen. Das ist eigentlich nichts anderes als ein Turnier zwischen den besten College-Basketballmannschaften der USA. Meine eigene Basketballsaison ist zwar schon seit einer Weile vorbei, aber bei einem “Basketball-Bankett” habe ich das ganze Team wiedergesehen und wir alle hatten sehr viel Spaß.
Am letzten Wochenende war ich das allererste Mal auf einer Versteigerung. Wahrscheinlich kann diese sogar am ehesten als eine Benefizveranstaltung beschrieben werden. Die Schwester meiner “Gasttante” und ihr Mann organisieren diese Veranstaltung schon seit vier Jahren, um Spenden für ein Krankenhaus zu sammeln, das ihnen sehr geholfen hat. Bei einem so großen Event konnte natürlich jede Hilfe gebraucht werden und so habe ich mit meinen gleichaltrigen “Gastcousins und –cousinen” eine Art Tombola veranstaltet und anschließend auch geholfen die Preise an die Gäste zu verteilen. Ich hatte super viel Spaß dabei, das Essen war sehr lecker und der ganze Saal war schön geschmückt. Mich hat besonders überrascht, wie viele Leute gekommen sind und wie groß der Erfolg der gesamten Veranstaltung war. Meine Gasteltern und ich sind erst sehr spät nach Hause gekommen und am nächsten Morgen stand dann schon wieder die nächste Feier an. Diesmal war es aber nicht so groß und auch nicht so schick. Anstelle eines Kleides, habe ich nämlich in meinem Kleiderschrank nach einem pinken Oberteil gesucht, damit ich auf der Geburtstagsfeier meiner dreijährigen “Gastcousine” auch dem Prinzeßinnen-Motto nachkomme.
Ich kann es kaum erwarten bis in Wisconsin nicht nur ein paar Krokusse, sondern irgendwann auch all die anderen Blumen anfangen zu blühen. Ich hoffe, ihr habt alle ein schönes Osterfest und genießt die Zeit mit eurer Familie. Viel Glück beim Ostereiersuchen und bis bald!