7. Bericht von PPP-Stipendiatin Lilli Hilscher
Meine Hoffnung diesen Bericht nicht in klirrender Kälte zu schreiben, hat sich erfüllt. Gestern ist es nämlich ein bisschen wärmer geworden, aber leider fängt damit auch der Schnee an zu schmelzen.
Vor ein paar Wochen war es noch sehr viel kälter und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich an einem Samstag in meinem Kleid für den “Crystal Ball” gefroren haben. Vor dem “Crystal Ball” bin ich zu einem “Pasta Dinner” eingeladen worden, weil es üblich ist, sich vor den Schultänzen mit Freunden zu treffen oder zum Essen auszugehen. Natürlich haben wir auch noch Fotos gemacht, bevor wir dann zur Schule gefahren sind. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich nicht so gerne tanze oder singe, aber weil alle getanzt haben, konnte ich mich auch dazu durchringen und ich hatte den ganzen Abend lang total viel Spaß! Um 22 Uhr hat der DJ dann aufgehört Musik zu spielen und alle haben sich auf den Weg gemacht. Ich habe mich noch mit ein paar Mädchen getroffen, erzählt und war dann auch irgendwann todmüde und froh ins Bett gehen zu können.
Am Sonntagmorgen haben meine Gasteltern mich ausschlafen lassen und ich musste nicht früh für die Kirche aufstehen, sondern bin erst gegen 11 Uhr zur Kirche gegangen. Dort habe ich nämlich bei dem “Fellowship Breakfast” mitgeholfen. Als Teil meines PPP-Stipendiums werde ich bis zum Sommer 2016 mindestens 20 Stunden Freiwilligenarbeit leisten und ich hatte schon die verschiedensten Gelegenheiten, um ein paar Stunden zu sammeln. Die Leute mit denen ich zusammen arbeite, sind immer super nett und ich freue mich schon, wenn ich das nächste Mal die Gelegenheit habe, Freiwilligenarbeit zu absolvieren. Im Rahmen des “Fellowship Breakfasts” habe ich vor allem bei der Zubereitung von belegten Brötchen geholfen und Saft ausgeschenkt. Dadurch habe ich viele der Kirchbesucher kennengelernt und weil es mit so viel Spaß gemacht hat, werde ich Ende dieses Monats wieder mit dabei sein.
Neulich war ich mit zwei Freundinnen im Kino und wir haben uns einen Film angeschaut. Ganz anders als zu Hause in Deutschland, gibt es hier natürlich kein süßes Popcorn, sondern nur butteriges salziges. Am Anfang musste ich mich sehr daran gewöhnen, aber im Moment, schmeckt mir das salzige so viel besser. Was ich persönlich auch sehr spannend finde: in den US-Amerikanischen Kinos gibt es keine Sitzplatzzuordnung. Jedes Ticket kostet gleich viel und Sitze werden nach dem Motto “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst” verteilt. Deshalb ist es üblich sehr früh im Kino zu sein, damit man auch wirklich gute Plätze bekommt und nicht in der vordersten Reihe sitzen muss.

PPP -Lilli beim „Crytal Ball“-
Am Sonntag, den 7. Februar, habe ich dann wohl das “amerikanischste” Event überhaupt miterlebt – natürlich nur, wenn man vom “4th of July” absieht. Die beiden Football-Teams “Carolina Panthers” und die “Denver Broncos” standen sich im Super Bowl gegenüber. Zusammen mit meiner Gastfamilie bin ich zu einer Football-Party gegangen, wo viele Familien in ihren Trikots ihr Lieblingsteam angefeuert haben. Wisconsins Team, die Green Bay Packers, haben es leider nicht zum Super Bowl geschafft, aber zusammen mit meinem Gastbruder Josh habe ich für die Denver Broncos die Daumen gedrückt – Das ist nämlich Joshs Lieblingsteam. Viel mehr Spaß als das eigentliche Spiel zu schauen, hat mir aber die Werbung gemacht: große Unternehmen, bekannte Marken und wahrscheinlich jeder Autohersteller, den es überhaupt gibt, haben Millionen US-Dollar in die Werbung investiert, vermutlich fast jeder US-Amerikaner an diesem Tag den Fernseher eingeschaltet hatte. Außerdem haben wir alle einen Zettel ausgefüllt, auf dem die verschiedensten Fragen zum Super Bowl gestellt wurden: Wer wird den ersten Touchdown erzielen, wer gewinnt den Münzwurf, und so weiter. Meine Gastschwester Rachel und ich haben uns ganz gut geschlagen und haben am Ende mit unseren Antworten den 2. Platz belegt. Darauf waren wir beide dann auch ziemlich stolz.
Leider ist für mich diesen Monat meine Basketballsaison zu Ende gegangen und es ist schon komisch nicht jeden Tag nach der Schule zusammen mit meinem Team zu trainieren. Wir haben einige Spiele gewonnen, aber auch verloren, aber alles in allem hat es uns allen sehr viel Spaß gemacht und mit zwei Siegen in der letzten Woche haben wir die Saison definitiv gut beendet. Die Varsity-Teams meiner Schule hat jetzt noch Chancen in den Playoffs Wisconsins “State Champion” zu werden und ich hoffe natürlich sehr, dass sie die anderen Teams schlagen werden.
Mit meiner Gastfamilie verstehe ich mich super und wenn wir alle zu Hause sind, spielen wir auch häufiger mal Brettspiele. Vor kurzem habe ich Lego mit meinen Gastgeschwistern gespielt und es hat mir überraschenderweise sehr viel Spaß gemacht. Als ich dann über Playmobil berichtet habe war das sehr lustig, denn komischerweise haben nur die wenigsten hier von Playmobil gehört. Das muss wohl eher in Deutschland bekannt sein.
Am Wochenende haben meine drei Gastgeschwister und ich bei meinen Gastgroßeltern übernachtet und wollten am Sonntagabend gar nicht wieder abgeholt werden. Wir sind alle zusammen zur Kirche gegangen und haben dann abends hauptsächlich Hallmark-Filme geguckt. Ich finde es immer sehr spannend, wie unterschiedlich deutsche und US-Amerikanische Fernsehsender doch sind, aber wie trotzdem ähnliche Programme, Filme und Serien gezeigt werden. Sonntagmorgens habe ich dann nach einer langen Zeit Camille, meine zweijährige Gastcousine, und ihren Babybruder Kaden wieder gesehen. Den Großteil der Zeit haben wir mit dem Vorlesen von Prinzessinnenbüchern verbracht und für mich war es immer ungewohnt, die Namen Englisch aussprechen zu müssen, aber daran werde ich mich bestimmt auch noch gewöhnen. Wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, werde ich bestimmt ganz viele neue Spiele mit nach Hause bringen und das “Braunschweig-Monopoly” wird bestimmt auch ohne mich hier noch ganz viel gespielt werden. Zum Glück kennt meine Gastschwester Nay die Ereignis- und Gemeinschaftskarten, so dass sie dann die wichtigsten Zeilen übersetzen kann, obwohl sie in deutsch auf den Karten stehen – Ich frage mich immer, wie sie das macht…
Anfang Februar hat es bei uns noch geschneit und obwohl es sich vor ein paar Tagen wie Frühling angefühlt hat, glauben alle, dass noch mehr Schnee kommen wird. Ich bin gespannt und werde das einfach abwarten. Ich freue mich sehr, dass Winter in diesem Jahr für mich auch gleichzeitig Schnee bedeutet. Hauptsache es wird nicht wieder eisig kalt…
In einem Monat werde ich wieder von mir aus den USA hören lassen und bis dahin werde ich bestimmt noch mehr viele tolle Sachen erleben, von denen ich euch dann im März berichten kann!